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    Forschergruppe Emotion und Verhalten (DFG)

    Konzept der Forschergruppe

    Die im Rahmen der Forschergruppe vorgeschlagenen Projekte haben das Ziel, die impulsive Determination menschlichen Verhaltens in der Wechselwirkung mit reflektiven Steuerungs- und Regulationsprozessen experimentell zu untersuchen, wobei der Rolle von Bewertungen und Emotionen eine besondere Bedeutung zugemessen wird. Durch die Zusammenführung von theoretischen Perspektiven und Methoden der Sozialpsychologie und der Biologischen Psychologie werden besondere Synergieeffekte erwartet.

    Dabei kommt der auf Annäherung oder Vermeidung gerichteten motivationalen Orientierung eine besondere Bedeutung zu. Sowohl die Sozialpsychologie (Lewin, 1935; Cacioppo, Priester, & Berntson, 1993) wie auch die Biologische Psychologie (Gray, 1982; Lang, 1995) verfügt über Konzepte, welche die positive oder negative Valenz einer Information mit der Auslösung von Tendenzen der Annäherung oder Vermeidung verknüpft. Im impulsiven Steuerungssystem kommt dabei den Emotionen eine besondere Bedeutung zu. Nach den wichtigsten Klassifikationssystemen (z.B., Russell, 2003) sind Emotionen neben der Erregungsdimension auf einer Valenzdimension anzuordnen. Darüber hinaus postulieren einige Emotionstheorien (z.B., Frijda, 1987) spezifische Verknüpfungen von Emotion und Verhalten.

    Vor diesem Hintergrund soll aus sozial- und biopsychologischer Perspektive die Rolle von Emotionen bei der Verhaltenssteuerung erforscht werden. Zum einen geht es um die mentalen und neuronalen Grundlagen emotionaler Prozesse. Zum zweiten geht es um die Verhaltensorientierung in Richtung auf Annäherung (im Sinne der Verringerung der Distanz zu einem Verhaltensobjekt) bzw. um Vermeidung (im Sinne der Erhöhung der Distanz).

    Dabei werden durch die Kombination von spezifischen Kompetenzen der Antragsteller bei der Induktion von affektiven Zuständen besondere Synergieeffekte erwartet. Dazu zählen eher kognitiv-imaginative Induktionsmethoden, wie sie überwiegend in der Sozialpsychologie Verwendung finden, Methoden der Herstellung virtueller Realitäten (VR), die vor allem bei den Antragstellern aus der Biologischen und Klinischen Psychologie beheimatet sind, und die vergleichende Untersuchung von klinischen Störungen, die Modelle für bestimmte emotionale Zustände oder Reaktion darstellen können. Die Antragsteller gehen davon aus, dass sich die grundlegenden psychologischen Prinzipien menschlichen Verhaltens nicht qualitativ darin unterscheiden, ob das resultierende Verhalten als "normal" oder "pathologisch" gekennzeichnet wird. Vielmehr kann jedes Verhalten als das gemeinsame Ergebnis von zwei miteinander interagierenden Systemen verstanden werden, welche aus reflektiven oder impulsiven Mechanismen bestehen.

    Die Dominanz eines der beiden Systeme kann situationsbedingt die Anpassungsleistung erhöhen oder erniedrigen. So ist das erschreckte Rückweichen vor einer drohenden Gefahr adaptiv, sofern es schnell und ohne zeitaufwändige Urteilsprozesse erfolgen kann. Andererseits ist phobische Angst wenig adaptiv und führt oft zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen.

    Gleichzeitig stehen in der sozialpsychologischen Forschung vor allem die Erfassung impliziter oder expliziter subjektiver Indikatoren (z.B. Bewertungen, Erwartungen) im Vordergrund,  während in der Biologischen Psychologie überwiegend objektive Maße aus dem peripher-physiologischen (z.B. Herzrate, Hautwiderstand, EMG) oder dem zentralnervösen Bereich (z.B. EEG, EKPs, fMRI) erhoben werden. Die Kombination beider Variablengruppen wird die Validität und Bedeutsamkeit der Befunde entscheidend verbessern sowie ihre theoretische Implikation vergrößern.

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    Kontakt

    FOR 605 Emotion und Verhalten, Reflektive und impulsive Prozesse
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